Wissenschaftlicher Humanismus

Carnap mischte sich politisch ein. Zuletzt unterstützte er aktiv die Bürgerrechts- und die Anti-Vietnam-Bewegung.

Gedenktafel an der Villa Carnap (c) Frank Vincentz
Gedenktafel  (c) F. Vincentz

Die Richtung seines politischen Denkens bezeichnete Carnap als pazifistisch, antimilitaristisch und auch sozialistisch. Er dachte allerdings nicht an eine Verwirklichung durch praktische Tätigkeit. Gleichwohl erkannte er, dass in verschiedenen Ländern einzig die Arbeiterparteien die Kriegsgegnerschaft bewahrt hatten. So begrüßte er die deutsche Revolution 1918 als Befreiung von den alten Mächten, wie auch zuvor die Revolution in Russland.

Für Carnap gehörten drei Grundannahmen zum “wissenschaftlichen Humanismus”:

  1. Die “Ansicht, dass der Mensch weder übernatürliche Beschützer noch übernatürliche Feinde hat und dass deshalb alles, was zur Verbesserung des Lebens getan werden kann, Aufgabe des Menschen ist”.
  2. Dass “die Menschheit fähig ist, ihre Lebensbedingungen so umzugestalten, dass viele der heutigen Leiden vermieden und die äußere und innere Lebenssituation für den einzelnen, die Gemeinschaft und schließlich die ganze Menschheit wesentlich verbessert werden könnte”.
  3. Dass “jede überlegte Handlung Welterkenntnis voraussetzt, dass die wissenschaftliche Methode die beste Methode ist und die Wissenschaft deshalb als eines der wertvollsten Instrumente zur Verbesserung des Lebens betrachtet werden muss.”

Quelle: Rudolf Carnap, Mein Weg in die Philosophie, Stuttgart 1993

 

 

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